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Die Schwitzhütte ist ein urweibliche Raum, die Gebärmutter der Mutter Erde, und hat die Kraft, uns in unsere Innenwelt zu führen. Physisch betrachtet besteht sie aus einem Rutengerüst, welches vor der Zeremonie mit Wolldecken überdeckt wird. Vor der Hütte werden in einem Feuer, dem männlichen Pol der Zeremonie, Steine erhitzt, bis sie rotglühend sind und später vom Feuerhüter oder der Feuerhüterin in die Hütte hineingetragen werden. Der Leiter giesst Wasser auf die Steine, so dass Wasserdampf aufsteigt und eine wohlige Wärme entsteht. In der Hütte sind jetzt alle Elemente, Erde, Wasser, Luft und - gehalten von den Steinen – auch das Feuer präsent. Dies ist die Voraussetzung um in die Leere einzutauchen, die Pforte, um uns mit anderen Zeiten, Räumen und Dimensionen zu verbinden. Denn Schwitzhütten gehören zu den ältesten schamanischen Ritualen, und diese haben stets zum Ziel, eine Brücke zwischen der für uns sichtbaren Welt und einer anderen, energetischen Wirklichkeit zu schlagen. Unterstützt wird dieser Prozess, indem zu Zeremoniebeginn die Kräfte des Universum angerufen werden, aber auch durch Anleitungen des Leiters während des ganzen Rituals. Wenn zum Ende die Teilnehmenden aus der Schwitzhütte hinausgehen, werden sie - physisch und psychisch gereinigt - neu in die Welt hineingeboren.
In welcher Tradition wird die Zeremonie durchgeführt? Der Ausgestaltung des Schwitzhüttenzeremonie basiert auf Wissen, welches von Swift Deer, einem in Texas lebenden Ältesten und Begründer der Medizingesellschaft „Deer Tribe“, an ausgewählte europäische Lehrer und von diesen an mich weitergegeben wurden. Swift Deer ist Halbcherokee, wobei er die Choreographie schamanischer Rituale mit Erkenntnissen aus anderen spirituellen Richtungen und eigenen Eingebungen erweitert hat. Im Unterschied zu anderen indianischen Traditionen, welche ihre Rituale möglichst unverändert erhalten wollten, hat Swift Deer immer wieder neue Dinge integriert, sobald ihm dies als hilfreich und nützlich erschien. Dies ist für mich die Legitimation, in der Zeremonie auch Elementen aus dem tibetischen Buddhismus und der integrativen Körperpsychotherapie einfliessen zu lassen. Die Schwitzhütten in dieser Tradition weisen einige Besonderheiten auf: Die Steingrube, in welche die Steine hereinkommen ist nicht wie sonst üblich in der Mitte, sondern am Rand neben dem Eingang, das heisst im Nordosten der Hütte. Und das Rutengerüst ist nach einem ganz bestimmten Schema gebaut, wobei jede einzelne Rute seine eigene Bedeutung besitzt. Die Anzahl der Runden, vor denen neue Steine hineingetragen werden, beträgt bei mir oft nicht wie sonst üblich vier, sondern fünf. Damit erhält jede Himmelsrichtung inklusive Zentrum ihr eigene Runde, auch der Osten (mit dem Fokus Vision und spirituelle Entwicklung). Erst in der fünften Runde, dem Zentrum oder Leere, werden dann die zu Beginn gerufenen Kräfte wieder verabschiedet.
Für wen eignet sich eine Schwitzhüttenzeremonie? Grundsätzlich stehen Schwitzhüttenrituale allen Personen ab 18 Jahren offen, die sich für dieses Ritual interessieren, zur Selbstreflexion bereit sind und eine spirituelle Offenheit mitbringen. Sie eignen sich besonders für Menschen, welche in schwierigen Lebenssituationen Kraft tanken wollen, nach neuen Visionen suchen oder vor wichtigen Entscheidungen stehen. Die Zeremonie ist nicht an eine bestimmte Religion gebunden und mit vielen Glaubensrichtungen vereinbar. So wird sie auch von vielen christlichen Gläubigen inklusive Theologen besucht. Nicht geeignet sind Schwitzhütten für Personen mit psychischen Krankheiten wie Schizophrenie, bipolarer Störung, posttraumatischen Stresssymptomen oder psychotischen Neigungen. Abzuraten von einem Besuch ist zudem bei Herz-Kreislauf-Schwächen oder Fieber. Keine Bedenken bestehen hingegen bei Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis. In Zweifelsfällen ist eine Abklärung mit dem Schwitzhüttenleiter erwünscht.
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